Der Weg in Etappen
Agility, Unterordnung, Rally Obedience – Maike Clüver hat mit ihren Parson Russell Terriern vieles ausprobiert. Gepackt hat sie erst die Fährtenarbeit. Ein Gastbeitrag über eine schwierige Hündin, viel Geduld und die Frage, wann man seinem Hund einfach vertrauen muss.
Fährtenarbeit Erfahrungsbericht von Maike Clüver, September 2026
Hunde begleiten mich schon seit 1994. Angefangen hat alles mit einem Cairn Terrier, danach zog eine Mischlingshündin bei mir ein, und seit 2005 gehören die Parson Russell Terrier zu meinem Leben.
Eines war dabei eigentlich immer gleich: Ich wollte mit meinen Hunden arbeiten.
Über all die Jahre war ich in verschiedenen Hundesportvereinen aktiv und habe vieles ausprobiert. Unterordnung, Distanzarbeit, Apportierarbeit, Agility – langweilig wurde es eigentlich nie. Besonders beim Agility bin ich viele Jahre „hängen geblieben". Auch der Kurs „Auslastung von Arbeitshunden", den ich in einem meiner Hundevereine besucht habe, hat mir richtig gut gefallen. Dort gab es viele unterschiedliche Elemente und immer wieder neue Herausforderungen.
Dann kam 2022 Ylvie zurück zu mir.
Ylvie ist eine Hündin aus meiner eigenen Zucht, damals knapp zwei Jahre alt – und leider alles andere als alltagstauglich. Grunderziehung war so gut wie nicht vorhanden. Sie war extrem reizoffen und schnell völlig überfordert. Allein das Grundstück zu verlassen, war zunächst eine echte Herausforderung. Mit klaren Regeln im Haus, viel Ruhetraining und vor allem ganz viel Geduld schafften wir es nach etwa drei Monaten, überhaupt einmal gemeinsam das Grundstück zu verlassen, ohne dass Ylvie gleich Schreianfälle bekam.
Als die ersten Grundlagen im Alltag geschaffen waren, stellte sich die nächste Frage: Wie kann ich diesen Hund sinnvoll und terriergerecht auslasten?
Agility lag natürlich nahe. Aber schnell zeigte sich: Das funktioniert mit Ylvie nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ihre hohe Trieblage und die Anforderungen des Sports ließen sie sehr schnell wieder in alte Muster kippen. Also musste etwas anderes her.
Nur Unterordnung? Das war mir ehrlich gesagt zu langweilig.
Also probierten wir uns 2023 durch verschiedene Dinge: SQR Dog, Dummytraining und schließlich Rally Obedience. Gerade im RO machten wir schnell tolle Fortschritte. Es machte Spaß, Ylvie arbeitete konzentriert mit, und wir waren auf einem guten Weg.
In meinem Verein wurde die Fährtenarbeit als neue Sparte wiederbelebt. Ich war neugierig, probierte es aus – und wir veranstalteten schließlich ein Seminar.
Was soll ich sagen? Ich war angefixt. In meinem ganzen Leben hat mich noch kein Hundesport so gepackt wie die Fährtenarbeit.
Mich fasziniert bis heute, was ein Hund dabei leistet. Er arbeitet eigenständig, hoch konzentriert und muss seine Aufgabe letztendlich selbstständig lösen. Ich kann ihm die Fährte nicht „zeigen" und ihm auch nicht sagen, wo es langgeht. Ich muss lernen, meinem Hund zu vertrauen und ihn arbeiten zu lassen.
Das gilt natürlich erst ab einem gewissen Ausbildungsstand. Gerade zu Beginn ist es wichtig, genau zu wissen, wo die Fährte verläuft und wo die Winkel liegen, um im Zweifel helfen zu können.
Und gleichzeitig tut der Hund dabei genau das, wofür er gezüchtet wurde: seine Nase einsetzen, suchen, verfolgen und eine Aufgabe selbstständig lösen. Gerade bei einem Terrier wie Ylvie hat mich das besonders fasziniert.
Die Anfänge waren allerdings alles andere als leicht. Ylvie war so reizoffen, dass schon die kleinsten Dinge eine Herausforderung sein konnten. Die Grundlagen sauber aufzubauen, war manchmal ziemlich mühsam.
Aber da bin ich eben auch Terrier. Aufgeben ist keine Option.
Also haben wir weitergemacht. Schritt für Schritt. Mit Geduld, Konsequenz und ganz viel Fleiß. Und es hat sich gelohnt: Wir kamen Stück für Stück voran, und ich merkte immer mehr, wie sehr Ylvie diese Arbeit liegt.
2025 nahm ich schließlich Kontakt zu Martin Rodzoch auf und besuchte die ersten Trainings bei ihm. Die Trainings haben meinen Blick auf die Fährtenarbeit noch einmal verändert – spätestens jetzt hatte mich das Fährtenfieber endgültig gepackt.
Durch das Training konnten wir viele Anfängerfehler erkennen und korrigieren. Wir lernten, genauer hinzuschauen, sauberer aufzubauen und vor allem, unseren Hunden mehr zuzutrauen. Schließlich wagten wir uns an unsere ersten kleinen Prüfungen nach der Prüfungsordnung der FCI. Seitdem trainieren wir regelmäßig mit Martin.
Als Onya geboren wurde und mit acht Wochen ihre erste Fährte gearbeitet hat, konnte ich vieles, was ich mit Ylvie erst mühsam lernen musste, von Anfang an anders aufbauen. Jeder Hund ist eben anders – und genau das macht diese Arbeit für mich so spannend.
Heute gehört die Fährtenarbeit ganz selbstverständlich zu meinem Leben mit meinen Hunden. Sie fordert mich als Hundeführerin immer wieder neu, lässt mich meine Hunde noch besser lesen und lehrt mich vor allem eines:
Nicht immer ist es meine Aufgabe, dem Hund zu sagen, was er tun soll. Manchmal ist es meine Aufgabe, ihm zu vertrauen und ihn einfach machen zu lassen.
Und genau das ist es, was mich an der Fährtenarbeit so fasziniert.
Aktuell trainieren wir fleißig für unsere erste IFH 3, die ich demnächst mit beiden Hunden laufen möchte. Schauen wir, ob das klappt. Aber eines weiß ich sicher: Wir bleiben dran. Denn wer einmal vom Fährtenvirus gepackt wurde, kommt so schnell nicht mehr davon los.
EureMaikemit Ylvie
Fragen zur Fährtenarbeit? Wer wissen möchte, wie der Einstieg gelingt oder ob der eigene Hund dafür geeignet ist, darf sich gern bei mir melden: maike@tenderfellows.de
Wie die Fährtenarbeit funktioniert, warum sie dem Parson Russell Terrier so liegt und wie die Prüfungsstufen aufeinander aufbauen, steht auf unserer Seite zur Fährtenarbeit.
Zur Seite FährtenarbeitText: © Maike Clüver